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#badewannenlektuere

Die Lieblingsbücher der Hochschulfamilie

Wolltet Ihr immer schon mal wissen, was unsere Hochschulcommunity so liest? Seid Ihr interessiert an spannenden oder kuriosen Lesetipps? 

Die Idee kam von einer Professorin, und selten wurde eine Idee so schnell umgesetzt: Prof. Anke Müller von der Fakultät für Ingenieurwesen schlug vor, dass alle Mitglieder der Hochschule Hof ihre jeweiligen „Lieblingsbücher“ vorstellen. Zu sehen sollten sie dann auf den Social Media Kanälen sein: „Professor:innen und Mitarbeiter:innen empfehlen das Buch, das ihrer Meinung nach jeder Studierende gelesen haben muss“, so lautete ihr konkreter Vorschlag. Aus der Email von Mitte Oktober 2022 wurde ein mittlerweile gern geklicktes Format, denn seit kurz vor Weihnachten stellten schon etliche Kolleg:innen ihre Bücher vor.

Hier geht es zu den einzelnen Buchempfehlungen

Unsere Kollegen und Kolleginnen erzählen, warum sie diese Bücher empfohlen haben.

„Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl“ von Katharina Zweig

Wo künstliche Intelligenz sich irrt, warum uns das betrifft und was wir dagegen tun können 

Warum ich das Buch gut finde?

Informatik ist für viele Menschen noch abstrakter als die Ingenieurwissenschaften, dennoch kommt heute keiner mehr an ihr vorbei! Katharina Zweig ist Sozioinformatikerin – schon alleine deshalb, sollte man das Buch gelesen haben ;) Ich kenne nur wenige Wissenschaffende, die es geschafft haben so komplexe Fachbegriffe und die angrenzenden Themen dazu anschaulich für jeden darzustellen, dass man fast schon glaubt, man hätte leichte Urlaubslektüre vor sich. Mit sehr konkreten Beispielen aus dem Leben zeigt sie uns, wo die KI sich irrt, und wann Mensch den Fehler gemacht hat. Ganz nebenbei lernt ein/eine Jede/r sämtliche Fachbegriffe, die man auch fürs weitere akademische und Arbeitsleben benötigt: Was ist ein Algorithmus, und worin unterscheidet es sich zur Heuristik, warum brauchen Modelle eine These und warum ist der Data Scientist und Big Data keine Lösung auf alle Probleme der Menschheit.

Und die Lieblingsstelle?

Die Vorhersage der Scheidungsrate basierend auf der Abschlussrate von Frauen in den Ingenieurwissenschaften – an diesem Beispiel wird der Begriff der Korrelation verdeutlicht. Wunderbares Party-Nicht-Wissen: Die Anzahl von Anwälten auf den Marianen-Inseln „korreliert“ noch stärker mit dem Anteil der Abschlüsse von Ingenieurinnen und es darf daher bestimmt die steile These geäußert werden, das Frauen in Männerberufen Ehen zerstören. Einfacher kann man zufällige Korrelation, Fakt, Thesen nicht erklären!

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Klassischer Zufallsfund. Ich las einen Artikel über das Fachgebiet der Sozioinformatik, am darin angeführten Interview war die Autorin, die als Professorin an der TU Kaiserslautern lehrt, beteiligt.

Link zu meinem Buch: https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Ein-Algorithmus-hat-kein-Taktgefuehl/Katharina-Zweig/Heyne/e561375.rhd 

„Die Mutter der Erfindung“ von Katrine Marcal

Wie in einer Welt für Männer gute Ideen ignoriert werden

Warum ich das Buch gut finde?

Forschung in Deutschland ist in großen Teilen männerlastig, Frauen haben einen deutlich geringeren Anteil. Es macht sich tatsächlich bis dato auch niemand so recht Gedanken darüber, was das konkret für die Forschung und deren Weiterentwicklung bedeutet – oder was wir deswegen verpasst und nicht entwickelt haben. Katrine Marcal hat da einen anderen Ansatz. Am Beispiel des Rollkoffers, den wir heute alle gerne auf Reisen verwenden, zeigt sie auf, warum es erst so spät dazu kam, dass der Rollkoffer nicht nur als für Frauen geeignet angesehen worden ist, sondern auch für Männer. Es mussten erst die Flight Crews der großen Airlines mit ihren schicken Kapitänen kommen, damit auch Männer sich an den rollenden Koffer wagten. Ein anderes Beispiel ist der Raumanzug für die erste Mondlandung gewesen, der nach verschiedenen Ausschreibungen schließlich durch erfahrene Näherinnen von BHs genäht wurde – eigentlich undenkbar in der Geschichte der Raumfahrt. Sie beschreibt das wirklich toll.

Und die Lieblingsstelle?

Heute sind Elektroautos nicht mehr wegzudenken, aber es war ein langer Weg bis dahin. Denn E-Autos galten lange Zeit als weiblich, weil einfacher und damit unmännlicher Hebelstart. Erst nachdem sich der Freund eines Automobilherstellers den Kiefer an der Drehkurbel gebrochen hatte und daraufhin starb, setzte ein Umdenken ein. Allerdings nur in der Hinsicht, dass nun alle Verbrennermotoren auch einen Anlasser erhielten. Nun konnten Frauen und Männer Verbrennerautos fahren.

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Es kam als Anschaffungsidee von unserem Vizepräsidenten F&E für die Bibliothek zu mir. Er fand es interessant für die Studis und als ich das Thema „Frauen und Forschung“ gesehen habe, war ich angefixt. Ich war dann die erste Ausleiherin des Buches und nicht die Studierenden.

Im Netzwerk Frauen.Stärken.Hof, das ich mitgegründet habe, geht es auch zum Teil darum, dass wir Frauen und Technik zusammenbringen, sei es über Vorträge unserer Professorinnen oder den Besuch im Museum Bayerisches und seinen Erfindungen, wie z.B. die Fritsch Landkarten oder das Döbereiner Feuerzeug.

Link zu meinem Buch: https://www.rowohlt.de/buch/katrine-marcal-die-mutter-der-erfindung-9783737101424

„Über den Umgang mit Menschen“ von Adolf Freiherr von Knigge

Warum ich das Buch gut finde?

In den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten hat der gute Ton meiner Ansicht nach stark gelitten. Ich sehe mehr Menschen mit Blick aufs Smartphone in geschlossenen Glastüren einrasten als solche, die sie sich gegenseitig aufhalten. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich verwende gerne Jugendsprache, ich fluche sehr gerne und meine Witze sind sicherlich auch nicht immer ganz ohne. Das alles schließt für mich aber keinen respektvollen Umgang und gute Tischmanieren beim Dinner aus. Man muss nicht spießig sein, um sein Handy beim Date im Auto zu lassen und Essen und Sprechen chronologisch zu trennen. Außerdem bin ich der Ansicht, dass man auch in Zeiten der Gleichstellung und Gendersprache eine Dame wie eine Dame behandeln sollte und einen Herren wie einen Herren.

Als ich hier begann, hier zu studieren, hat man gratis neue Testamente im Foyer verteilt, ich wünschte manchmal, man würde dort den Knigge verschenken.

Und die Lieblingsstelle?

„Hast du einen treuen Freund gefunden, so bewahre ihn. Achte ihn auch dann, wenn das Glück dich plötzlich über ihn erhebt.“ und „Huldige nicht mehreren Damen zur gleichen Zeit, wenn es dir darum zu tun ist, Zuneigung oder Vorzug von einer einzelnen zu erlangen.“ (es gibt in meinen Augen wenig schlimmeres als Untreue).

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Das Buch kennt grundsätzlich (hoffentlich) jeder, aus Gründen des nachlassenden gegenseitigen Respektes in der Gesellschaft kam ich aber letztendlich zum Entschluss, dass ich es einfach auch einmal besitzen und im Original lesen wollte, auch wenn natürlich nicht mehr alles am Zahn der Zeit ist.

Link zu meinem Buch: https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1034018482?ProvID=11000533&gclid=Cj0KCQiAkMGcBhCSARIsAIW6d0C1iHrWPtYEVzs5TN5q7qWlDW3oH0r-8LJrIsTWzONwz6977l2_9VIaAgLQEALw_wcB 

„Peripherie“ von William Gibson

Corporate-Dystopien, AR und 3D-Druck im Science-Fiction-Universum vom Autor der Bücher „The Peripheral“ und „Cyberpunk“

Warum ich das Buch gut finde?

„Peripherie“ oder auf Englisch, „The Peripheral“, nimmt mit in eine erstarrt-eintönig wirkende Welt, in der so einiges actionlastiges passiert. Viele Elemente sind vertraut, aber mit einem Twist versehen: Im ländlichen Amerika im Jahr 2030 verdient Flynne Fisher ihren Unterhalt mit ihrem Job in einem 3D-Druck-Store, der querbeet alle Branchen bedient. Nebenbei steigt sie immer wieder als Gamerin bei ihrem Bruder ein, einem Veteranen, der im alten Wohnwagen der Familie VR-Games spielt und dort gegen Geld die Figuren zahlender Kunden hochlevelt. Beim Testen der Betaversion eines High-End-VR-Games, sieht sie einen Mord. Bald darauf versuchen Unbekannte, Flynne und ihre Familie auszuschalten – Finanziert von Geldern aus der Zukunft.

Mit gefällt am Buch die ruhige Stimmung, die durch die Settings und divers gestalteten Charaktere aufkommt, und die gegenüberstehenden komplexen Erzählstränge über verschiedene Interessengruppen, Zeitpunkte und Wissensstände der vielen Charaktere. Das Buch hat ungewöhnlich gut ausgearbeitete Geschwister-, Freunde- und Community-Dynamiken, und Themen wie (zu) große Institutionen, die Verschränkung von Wissenschaft und Politik, die Gefahren von Klimawandel und Pandemien, gibt es obendrauf. Der Roman fokussiert sich nicht nur auf eine Person, und eignet sich insgesamt hervorragend als #Badewannenlektüre!

Und die Lieblingsstelle?

Da ist die Auswahl groß! Wilf Netherton, ein weiterer Charakter, ist immer wieder auf klassischen Spionage-Missionen: Sich auf Partys einschleichen, mit einem Tattoomodel verhandeln, politische Gegner konfrontieren. Meine Lieblingsszene mit ihm ist eine, in der er versucht, in einem Videocall so zu tun, als käme er aus der Vergangenheit, indem er sich mit alten Monitoren und weiterer Technik aus der Vergangenheit ausstattet: Er vergreift sich dabei um einige Jahrzehnte, mit Konsequenzen.

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Während einer Erkältung habe ich das Buch in die Hand gedrückt bekommen, das die Grundlage für die Amazon-Serie „The Peripheral“ bildet. Der Autor war mir durch sein Cyberpunk-Universum bekannt, und so beschloss ich, es mir einmal anzusehen.

Ich kann seine anderen Bücher ebenfalls empfehlen. Die Serie ist übrigens schneller geschaut, aber weniger komplex und ausführlich als das Buch.

Link zum Buch: www.buecher.de/shop/zeitreisen/peripherie-das-buch-zur-serie-the-peripheral/gibson-william/products_products/detail/prod_id/44805190/

„Weltuntergang fällt aus“ von Jan Hegenberg

Warum ich das Buch gut finde?

Es gibt genügend Bücher die treffend beschreiben, was die Menschheit in den letzten 100 Jahren alles falsch gemacht hat und entsprechend düstere Zukunftsbilder malen. Nur wenige bieten auch Lösungen an, wie sich die Menschheit aus der selbstgemachten Klimakrise auch wieder befreien kann und in denen wird meist klargemacht, dass das nur mit großen Anstrengungen und erheblichen Komfortverzicht der Bürger in den Industrienationen möglich wird. Das macht mutlos und es fehlt an einer positiven Vision der Zukunft, die für die meisten Menschen erstrebenswert erscheint und nicht nur für ein paar Klimaaktivisten. Jan Hegenberg stellt sich dem entgegen und zeigt detailliert recherchiert und mit zahlreichen Quellen belegt auf, dass wir alle nötigen Mittel an der Hand haben, um klimaneutral zu werden, ohne uns groß einschränken zu müssen. Was zunächst wie eine Träumerei klingt, wird Seite für Seite des Buches klarer. Hegenberg beantwortet dabei alle typischen Fragen, die der moderne Wohlstandsbürger parat hat, um zu begründen, warum es eh nicht klappt. Damit schafft der Autor nicht nur die dringend nötige realistische Utopie der klimaneutralen Zukunft der Menschheit, sondern zeigt auch Schritt für Schritt was getan werden muss. Nur tun müssen wir es immer noch selbst.

Und die Lieblingsstelle?

Wir haben schon fast ein Drittel der nötigen erneuerbaren Energie, weil wir durch die Abkehr vom Verbrenner dank Effizienzgewinnen zwei Drittel weniger Primärenergie brauchen werden (S. 54).

Es gibt kein „Winterloch“ der erneuerbaren Energien. Der Mangel an PV-Strom im Winter wird durch mehr Windstrom überkompensiert (S. 127).

„Wasserstoff ist ein Energieträger, keine Energiequelle. Um Maschinen mit Wasserstoff zu betreiben, müssen wir im ersten Schritt mehr Energie aufwenden, um den Wasserstoff herzustellen“ (S. 272).

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Von meiner Frau zu Weihnachten geschenkt bekommen.

Link zu meinem Buch: https://www.amazon.de/Weltuntergang-f%C3%A4llt-aus-Klimakrise-einfacher/dp/383120604X 

„Bildung braucht Persönlichkeit – Wie Lernen gelingt“ von Gerhard Roth

Wirksames Lernen ist nicht nur für das Studium essenziell, sondern auch für jeden Veränderungsprozess wie z.B. im Zuge der Digitalisierung ist.

Warum ich das Buch gut finde?

Lernen ist ein essenzieller Prozess des Lebens. Zu verstehen, wie Lernprozesse im Gehirn stattfinden, Informationen gefiltert, bewertet und abgespeichert werden, hilft mir in vielen Entscheidungssituationen innerhalb technischer Prozesse. Als junger Ingenieur war ich verwundert, warum in technischen Projektgesprächen häufig Entscheidungen trotz klarer Sachlage anders getroffen wurden, so dass die dahinterliegenden Prozesse verstehen wollte. Irgendwann bin ich bei den Büchern des Hirnforschers Gerhard Roth gelandet, der sich auch mit wirksamem Lernen befasst.

„Bildung braucht Persönlichkeit“ beschreibt in verständlicher Weise, dass die Informationsaufnahme und -speicherung weniger von Lerninhalten bestimmt werden als vom individuellen Reifeprozess des Gehirns und den abgespeicherten Erfahrungen des Lebens. Dabei spielen aktuelle und erinnerte Emotionen eine besondere Rolle, die die Aufnahme neuen Wissens und die Bereitschaft zum Lernen stark beeinflussen. An seinem Vier-Ebenen-Modell der Persönlichkeit zeigt Roth, wie sich das Gehirn im Laufe des Lebens entwickelt, welche Prozesse unbewusst und bewusst beeinflussbar und damit für das Lernen gestaltbar sind.

Und die Lieblingsstelle?

Seine Schlussfolgerungen für den Unterricht. Unabhängig von Intelligenz und Begabung spielen Persönlichkeitsmerkmale und Motivation eine enorme Rolle, ob jemand lernt oder nicht. Damit stehen Lehrenden zwei wichtige Wege zu den Lernenden zur Verfügung: sich auf jede Person mit ihrer Lebensgeschichte individuell einzulassen und mit kreativen Methoden die Motivation zu steigern. Nicht ganz einfach und nicht überall ideal umsetzbar, aber es ist es wert, es zu versuchen.

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Die Bücher von Gerhard Roth begleiten mich seit vielen Jahren. Zum ersten Mal bin ich auf ihn im Zuge meiner Coachingausbildungen gestoßen und war von Beginn an vom seinem Vier-Ebenen-Modell der Persönlichkeit fasziniert. Viele Fragen zu meiner eigenen Entwicklung und zu meinem eigenen kommunikativen Verhalten konnte ich besser beantworten. Und mit Hilfe dieses Wissens war die Durchführung von Veränderungsprozessen in Digitalisierungsprojekten leichter als vorher. Als ich das neue Buch parallel zu meinem Beginn an der Hochschule entdeckte, war klar, das muss ich lesen.

Link zu meinem Buch: https://www.klett-cotta.de/buch/Schule_und_Unterricht/Bildung_braucht_Persoenlichkeit/144044

„Bullshit Jobs“ von David Graeber

Warum ich das Buch gut finde?

Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne eher ironisch lächelnd über Probleme rede. David Graeber macht das in seinem Buch ähnlich. Er beschreibt den Zuwachs an nicht wertschöpfender Arbeit, die er als Bullshit Job bezeichnet, analysiert und kategorisiert diese in 5 Typen: „Flunkies“ (Lakaien), „Goons“ (Schläger), „Duct-Tapers“ (Flickschuster), „Boxtickers“ (Kästchenankreuzer) und „Taskmasters“ (Aufgabenverteiler). Gleich am Anfang zitiert er eine Vorhersage von John Maynard Keynes aus dem Jahr 1930, der für das Ende des Jahrhunderts (also das Jahr 2000) eine derart hohe Produktivität erwartete, dass eine 15-Stunden Arbeitswoche ausreichen müsste. David Graeber erklärt den Grund für das Nicht-Eintreten der Prophezeiung so: "... die Technologie wurde eingesetzt ..., damit wir alle mehr arbeiten. Um dies zu erreichen, mussten Arbeitsplätze geschaffen werden, die im Grunde genommen sinnlos sind.“

In Lauf meiner Karriere habe ich Erfahrungen gesammelt, die die Aussagen des Buches voll bestätigen. Damit war das Buch für mich erstmal eine nette, entspannende, aber auch intellektuell anregende Lektüre. Rückblickend, nach dem Lesen ist es aber auch eine Mahnung für mich, im Rahmen meiner Möglichkeiten darauf zu achten, dass in meinem Umfeld keine neuen Bullshit Jobs entstehen und die bereits vorhandenen möglichst zurück in richtige Jobs entwickelt werden.

Ich habe das Buch im englischen Original gelesen. Es gibt aber auch eine deutsche Übersetzung.

Und die Lieblingsstelle?

“Was Kesselflicker tun: Kesselflicker sind Mitarbeiter, die nur aufgrund einer Panne oder eines Fehlers in der Organisation tätig sind; die dazu da sind, ein Problem zu lösen, das es eigentlich nicht geben dürfte. (S. 40)

„In gewisser Weise haben die Kritiker, die behaupten, dass wir keine Fünfzehn-Stunden-Woche arbeiten, weil wir den Konsum der Freizeit vorgezogen haben, nicht ganz unrecht. ... Es liegt daran, dass wir eine bizarre sadomasochistische Dialektik erfunden haben, in der wir das Gefühl haben, dass der Schmerz am Arbeitsplatz die einzige Rechtfertigung für heimliche Konsumvergnügen ist, und gleichzeitig die Tatsache, dass unsere Arbeit immer mehr von unserer wachen Existenz auffrisst... (S. 246)

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Ich habe (vor einiger Zeit) eine positive Kritik in der SZ gelesen.

Link zu meinem Buch: https://www.abebooks.com/9780241263884/Bullshit-Jobs-0241263883/plp

„The Dawn of Everything. A New History of Humanity“ by David Graeber and Davin Wengrow

Warum ich das Buch gut finde?

In den letzten zwanzig Jahren hat mich kein Buch so sehr beeindruckt wie dieses. Und das ist keine Übertreibung. Die beiden Jungs stellen so ziemlich alle Tatsachenbehauptungen aus klassischen ökonomischen, politischen und soziologischen Theorien über die Entwicklung und die Entwicklungslogik von Zivilisation und Gesellschaft in Frage. Und das machen sie vor allen Dingen in einer Art und Weise, die vor allem für Ökonomie und Politikwissenschaft relativ selten ist: empirisch!

Sie stellen dabei eigentlich keine neuen empirischen Erkenntnisse vor. Aber in Zeiten von Lehrbüchern, die von Professor*innen geschrieben wurden, die selbst nur Lehrbücher gelesen haben, geht der echte „Stand der Forschung“ oft etwas verloren. Gesellschaftliche Strukturen sind kontingent, oder in meinen Worten: In Bezug auf politische-, wirtschaftliche- und kulturelle Systeme ist es wie beim guten Sex: Alles kann aber nichts muss! Mittlerweile gibt es das Buch auch auf Deutsch, aber der Titel „Anfänge“ verrät schon, wie beschissen die Übersetzung ist.

Und die Lieblingsstelle?

An einer Stelle wird erklärt, weshalb sich frühmoderne Monarchen oft die „Hüter von Witwen und Waisen“ genannt haben. Denen war wohl selber nicht klar, dass in einigen spätsteinzeitlichen Gesellschaftssystemen, die Herrschaftsfiguren tatsächlich eine solche Funktion ausüben mussten. Ganz im Sinne eines Potlatsch, damit Ungleichheit, und nichts anderes ist eine Hierarchie, auch einen sozialen Sinn haben kann.

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Ich habe eine Rezension in der New York Times gelesen. Tatsächlich kann man diese Zeitung am Hofer Bahnhof käuflich erwerben. Aber wehe!! Es gibt immer nur ein Exemplar und das gehört mir.

 

Link zu meinem Buch: https://www.penguin.co.uk/books/314162/the-dawn-of-everything-by-wengrow-david-graeber-and-david/9780141991061

"Handmade: A Scientist’s Search for Meaning Through Making" von Dr. Anna Ploszajski

Warum ich das Buch gut finde?

Was versuche ich als Hochschullehrer Tag für Tag zu tun? Ich versuche meinen Studierenden die spannenden Seiten der Informatik in der Theorie und dann auch in der Praxis zu zeigen. Zum Beispiel: Was die Theorie hinter einem Splay-Tree ist und wo man ihn in der Informatik einsetzt. Die Autorin macht in ihrem Buch genau das Gleiche, aber in einem für mich bis dahin unbekannten Wissenschaftsbereich und viel geschickter und spannender. 

In jedem Kapitel habe ich etwas über die Theorie der Materialwissenschaften gelernt. Auch wenn es nicht annähernd mein Fachgebiet ist, habe ich viel Interessantes verstanden und das Buch hat mein Interesse an diesem Thema geweckt. Zum Beispiel habe ich jetzt ein minimales Verständnis dafür, warum Glas durchsichtig ist. Zu dieser Theorie kamen dann noch die interessanten Erfahrungen der Autorin im "handwerklichen Umgang" mit den Materialien. Wie bläst man zum Beispiel Glas? Klar, das hat man vielleicht mal im Urlaub in einer Glasbläserhütte oder im Fernsehen gesehen, aber da haben es die Profis gemacht und alles sah so einfach aus. Was passiert nun, wenn Theorie auf Handwerk trifft? Genau dieser Spannungsbogen zwischen Theorie und Praxis zieht sich durch jedes Kapitel. Man ist jedes Mal aufs Neue gespannt, mit welchen Problemen "die Wissenschaftlerin" in der "Werkstatt des Handwerkers" zu kämpfen hat. Die Autorin nimmt den Leser wunderbar mit und man spürt, wie sie mit jeder gelösten Aufgabe ein wenig wächst. Wahrscheinlich ist sie am Ende des Buches einen halben Meter größer als am Anfang.

Und nach dem Lesen des Buches weiß ich, in meinem nächsten Leben werde ich Materialwissenschaftler und in meinem übernächsten Storyteller, zumindest würde ich es gerne werden!

Meine Lieblingsstelle?

Auch wenn es sich "faul" anhört, das gesamte Buch ist meine Lieblingsstelle. Es ist nicht so, dass das Buch einen wie ein Krimi in den Bann zieht und man wissen will/ muss, wer der Bösewicht ist. Man kann jedes Kapitel für sich als kleine Kurzgeschichte lesen und dann will man einfach mehr! Mehr erfahren, mit der Autorin zusammen mehr die Handwerkskunst dahinter kennenlernen und mitfiebern wie sie die Theorie und die Praxis zusammenbringt.

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Die Autorin gibt auch Kurse zum Thema Storytelling, und was lag da näher, als sich das Buch vorzumerken und zu schauen, wie man diese Kunst in wissenschaftlich angehauchten Texten zelebrieren kann. Und dann war es irgendwann so weit. Ich habe wieder ein Buch zum entspannten Lesen gesucht, mein Backlog angeschaut, das Buch gekauft und dann die Badewanne blockiert.

Link zum Buch: https://www.amazon.de/Handmade-Scientists-Search-Meaning-through/dp/1472971078

„Through the Language Glass” von Guy Deutscher

Why The World Looks Different In Other Languages

Warum ich das Buch gut finde?

Sprache ist die Basis dafür, sich zu verstehen, im Speziellen auch untereinander. Es ist daher für mich interessant zu sehen, wie sich Sprache entwickelt hat. Im Kontext des Buches geht es insbesondere darum, wie die Wahrnehmung von Farben von deren Bezeichnung abweichen kann. Es wird besonders auf die Werke von Homer Bezug genommen, dessen „weindunkle See“, „grüner Honig“ oder „violette Schafe“ die Historiker verwirrten, auch wenn Autoren – und besonders Dichtern –künstlerische Freiheit und poetisch/emotional geprägte Farbwahl zugestanden wird. Das Buch beschäftigt sich mit der Frage: Hatten Menschen von damals eine andere Farbwahrnehmung oder hatten sie schlichtweg kein Wort für die Farben, die wir heute in ihrer Vielfältigkeit als gegeben hinnehmen? Dabei wird auch auf kulturelle und evolutionäre Entwicklung von Menschen Bezug genommen und darauf, dass Wissenschaftler auch kuriose Ansätze zur Beantwortung ihrer Fragestellungen verfolgen können, deren Ergebnisse nur noch mehr Fragen aufwerfen.

Und die Lieblingsstelle?

Es gibt eine Stelle im Buch, in der der Autor sein Kind fragt, welche Farbe der Himmel hat und es kann diese Frage nicht wirklich beantworten. Die meisten würden vielleicht „blau“ sagen, aber ist das der Fall? Der Himmel könnte blau sein, oder auch weiß, oder bei Sonnenauf- oder -untergang sogar mehrfarbig erscheinen. Und bloß, weil Menschen blau vorwiegend wahrnehmen, muss es nicht die tatsächliche Farbe sein.

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Das Buch war eine Empfehlung von Stephen Fry, als Zusatzlektüre im Kontext seiner Bücherreihe zur griechischen Mythologie (kann ich jedem empfehlen, der griechische Mythologie mag, besonders die Audioversion gesprochen vom Autor selbst). Für ein Sachbuch lässt sich „Through the Language Glass” durchaus unterhaltsam lesen.


 Link zum Buch: www.penguin.co.uk/books/412264/through-the-language-glass-by-guy-deutscher/9780099505570

„Der elektronische Spiegel“ von Manuela Lenzen

Menschliches Denken und künstliche Intelligenz

Warum ich das Buch gut finde?

Das Buch schildert herrlich unaufgeregt und weitgehend gut recherchiert, was KI ausmacht und wo die Möglichkeiten und Grenzen liegen. Die Autorin zeigt auch immer wieder Parallelen und Unterschiede zum Menschen und geht auch auf menschliche Schwächen ein, die teilweise bei der KI kritisiert werden. Der Buchtitel erinnert daran, dass KI ursprünglich (auch) dazu geschaffen wurde, um mehr über unsere menschliche Intelligenz zu lernen, was sich auch darin widerspiegelt, dass die Definitionen darüber, ab wann KI wirklich intelligent ist, sich immer mal verändert. Die Autorin beschreibt verschiedene Facetten von KI, nicht nur die aktuell gehypten Sprachmodelle und hat sehr gut recherchiert. Das Buch ist kurz nach Veröffentlichung von ChatGPT erschienen und greift dessen „Können“ auch an einer Stelle im Buch auf. Einige Passagen beziehen sich aber noch auf ältere Stände der Forschung und sind daher trotz der Aktualität des Buches schon ein bisschen überholt. 

Und die Lieblingsstelle?

Diese Spiegel zeigen uns deutlich, dass Intelligenz nicht das ist, wofür wir sie eine Zeitlang gehalten haben [..], dass wir uns ein im Wortsinne unmenschliches Ideal von Intelligenz geschaffen haben. [..] Wir schätzen uns selbst und die künstlichen Systeme falsch ein [..]. Der Mensch ist kein objektiver Denker, kein problemlösender Rationalist. [..] Mit einem genaueren Blick in den elektronischen Spiegel können wir uns von dem falschen Bild der Intelligenz befreien und lernen, die künstlichen Systeme realistischer einzuschätzen. 

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Beim Stöbern nach aktuellen Büchern, die KI aus „Außenperspektive“ beschreiben. Eines der wenigen Bücher, die wirklich gut waren in dieser Hinsicht im Gegensatz z.B. zu bekannten Größen wie Precht. 

„Imaginierte Zukunft“ von Jens Beckert

Fiktionale Erwartungen und die Dynamik des Kapitalismus

Warum ich das Buch gut finde?

"Imaginierte Zukunft" von Jens Beckert ist ein gelungenes Werk in der Welt der Wirtschaftssoziologie, dass ich insbesondere Studierenden ans Herz lege. Beckert beleuchtet in seinem Buch die Unsicherheit und Ungewissheit zwischen Gegenwart und Zukunft, speziell im Hinblick auf die Herausforderungen für Wirtschaftsakteure. Er hebt hervor, dass in wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen Imaginationen und 'fiktionale Erwartungen' eine zentrale Rolle spielen. Beckert verdeutlicht dabei, dass Entscheidungen, besonders angesichts von Ungewissheit, oft auf diesen Vorstellungen basieren und dass unverwirklichte Zukunftsszenarien eine zentrale Orientierungsfunktion haben. Das Buch bietet eine tiefgehende und originelle Analyse des Umgangs mit Zukunftserwartungen und fördert die Selbstreflexion in der eigenen Entscheidungsfindung. Besonders bemerkenswert ist der Bezug zum Erwartungswert in den Wirtschaftswissenschaften. Beckert stellt dar, dass unsere Sicht auf die Zukunft durch imaginierte Erwartungen geprägt wird, die schlicht nicht quantifizierbar sind, und betont dabei, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit solcher Ereignisse einfach nicht berechnet oder bestimmt werden kann.

Und die Lieblingsstelle?

In meinem Lieblingsabschnitt von Jens Beckerts "Imaginierte Zukunft" wird herausgearbeitet, dass Ungewissheit in der Wirtschaft nicht quantitativ berechnet werden kann. Beckert erläutert, dass gerade bei hoher Varianz traditionelle Berechnungsmethoden scheitern. Diese Einsicht verdeutlicht, wie Entscheidungsträger sich auf nicht-quantifizierbare, imaginative Szenarien verlassen, um in einem Meer von Unvorhersehbarkeit und Ungewissheit Orientierung zu finden. 

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Ich stieß auf "Imaginierte Zukunft" von Jens Beckert durch seinen herausragenden Artikel "Was ist soziologisch an der Wirtschaftssoziologie? Ungewissheit und die Einbettung wirtschaftlichen Handelns" aus dem Jahr 1996. Dieser Artikel, der die Bedeutung von Unsicherheit und die soziale Einbettung wirtschaftlicher Prozesse eindrucksvoll darstellt, hat mich tief beeindruckt. Seine beeindruckende Fähigkeit, komplexe Sachverhalte klar und verständlich darzustellen, weckte mein Interesse, "Imaginierte Zukunft" zu lesen.


Link zu meinem Buch: https://www.suhrkamp.de/buch/jens-beckert-imaginierte-zukunft-t-9783518587171

„Mauersegler“ von Christoph Poschenrieder

Warum ich das Buch gut finde?

Fünf Männer gründen eine Alten-WG in einer Villa am See. Zusammen wollen sie die verbleibenden Jahre verbringen, zusammen noch einmal das Leben genießen. Für den letzten - selbstbestimmten - Schritt zählen sie auf die Hilfe der Mitbewohner. Denn es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie und mit wem man alt wird.

Diese Geschichte ist eine herrliche Idee für das gemeinsame Altwerden mit wirklich guten Freunden, die füreinander einstehen! Es ist ein heiterer Roman, der mit Humor und Witz die Probleme des Alt- und Gebrechlichwerdens angeht und ein wirklich überzeugendes, wenngleich nicht ganz ernst zu nehmendes Konzept für die letzten Fragen, die jeden früher oder später beschäftigen, anbietet. 

Und die Lieblingsstelle?

Zum Dorfarzt, der in die Eigenarten des Umgangs der Herren miteinander eingeweiht werden muss: „Sehen Sie, wir sind fünf alte Narren, die sich hier […] ihr Narrenschiff gezimmert haben. Und ehhm, wenn Sie verstehen, wir gehen nicht von Bord, nur weil wir im Sturm des Lebens seekrank geworden sind. Wir wettern das ab, oder…also, ohne auf das Hospitalschiff hinüberzuseilen…““Kann mir vorstellen, was Sie meinen, ich war Marinearzt“, sagte der Doktor, „man weiss ja nicht, ob man wieder zurück an Bord darf.“ […] „Wenn ich älter wäre, ich würde sofort bei Ihnen einziehen“, sagte er.

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Das Buch kursiert seit geraumer Zeit bei mir im Freundeskreis, im Grunde genommen sind wir alle auf der Suche nach geeigneten Mitbewohnern. Ein entsprechender IT-Spezialist wird übrigens noch gesucht…

Link zu meinem Buch: https://www.perlentaucher.de/buch/christoph-poschenrieder/mauersegler.html

„Factfulness “ von Hans Rosling, Anna Rosling Rönnlund und Ola Rosling

Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist

Warum ich das Buch gut finde?

Hans Rosling plädiert als Gesundheitsforscher für Fortschritt und die heilende Wirkung fundierter Fakten. Denn leider kursieren viele solcher sogenannter „Fakten“, die vor langer Zeit Gültigkeit hatten und mittlerweile aber kein Fakt mehr sind oder es auch nie waren. Dennoch halten sie sich hartnäckig in unserer Gesellschaft und viele Menschen sind sich derer nicht bewusst. Diese „Fakten“, die keine sind, führen aber zu Pessimismus oder auch dazu, dass bestimmte Themen dramatisiert werden, obwohl die tatsächlichen Fakten eigentlich hoffnungsvoll und vielversprechend sind. Das Buch räumt auf mit Halbwissen und diesen gefühlten Wahrheiten, die heutzutage jeglicher Grundlage entbehren und bietet zahlreiche Diagramme und Statistiken als Antworten auf Fragen zu den verschiedensten gesellschaftlichen Themen weltweit.

Und die Lieblingsstelle?

Würde man Schimpansen im Zoo auf eine Frage drei Antwortmöglichkeiten in Form von drei Bananen beschriftet mit A, B und C geben, würden die Schimpansen mit einem Griff, zu welcher Banane auch immer, nach dem Zufallsprinzip zu 33 % richtig liegen. Damit erzielen sie dauerhaft bessere Ergebnisse als hochgebildete, aber fehlgeleitete Menschen, die weltweit für die Statistiken dieses Buches getestet wurden. Wir können von den deutlich optimistischeren Schimpansen Einiges lernen.

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Meine Mama hat es mir empfohlen 😊

Link zu meinem Buch: https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1052821235

„Geboren für die großen Chancen“ von Ulrich Fichtner

Über die Welt, die unsere Kinder und uns in Zukunft erwartet 

Warum ich das Buch gut finde?

Fast jede Generation beschäftigt sich mit ihrer eigenen Vision eines Weltuntergangs-Szenarios – man denke an Waldsterben, Ozon-Loch, Überbevölkerung, Atomkrieg oder diverse Viren und Pandemien. Glücklicherweise allesamt Szenarien, die bis heute nie eintrafen und die teilweise in der Rückschau nur noch milde belächelt werden dürfen. Und auch wenn heute Klimawandel, Ressourcenknappheit oder die Energiefrage im schlimmsten Fall wohl tatsächlich zu den größten Bedrohungen der Menschheit zählen, so macht dieses Buch erfreulich viel Mut für die Bewältigung dieser Herausforderungen. Und es schafft Vertrauen: Vertrauen in die Innovationskraft und die Anpassungsfähigkeit der Menschen. Nicht Beschränkung, Verbote und Einschränkungen stehen beim Autor im Mittelpunkt, sondern der lebendige Wettstreit um die besten Lösungen, die nachhaltigste Innovation. In unglaublicher Akribie trägt er faszinierende Beispiele aus der Welt von KI, Robotik, Biotechnologie u.v.m. zusammen, die lange keine Hirngespinste mehr sind, sondern längst zur Lösung unserer Probleme beitragen. Dabei wird klar: Die notwendige Innovationswelle rollt längst! Zusätzlich verdeutlicht das 303-Seiten starke Buch, welche ehemals als „unlösbar“ postulierten Probleme längst gelöst oder zumindest erfolgreich zurückgedrängt wurden. Der wohlbegründete Optimismus des Autors (dass er gebürtiger Hofer ist, macht diese Erkenntnis übrigens noch bemerkenswerter) springt von der ersten Seite an auf den Leser über. Welch` eine Wohltat in einer Welt, in der die Verbreitung schlechter Nachrichten medial immer noch das sicherste Geschäftsmodell darstellen.

Und die Lieblingsstelle?

„Die politischen Parteien werden jedenfalls, so wie sie heute sind, keinen Bestand haben, wenn sie nicht zu neuen Fortschrittserzählungen finden, die auf der Höhe der Probleme der Zeit liegen. Konzepte zu verteidigen (…), um gestrige Wohlstands- und Erfolgsrezepte weiter anwenden zu können – diese Haltung wird in die Bedeutungslosigkeit führen. Das Gleiche gilt aber auch für Konzepte, die die Natur über alles und den Menschen als ihren ärgsten Feind hinstellen. Da liegt der Gedanke, man müsse die Leute umerziehen, dann doch gefährlich nah.“

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Die Frankenpost in Hof stellte das Buch ihres ehemaligen Volontärs vor. Heute gehört Ulrich Fichtner als langjähriges und vielfach ausgezeichnetes Mitglied der SPIEGEL-Redaktion allerdings längst zu den renommiertesten Journalisten des Landes.

Link zu meinem Buch: Bewusst keiner! Ich empfehle einen Kauf im lokalen Einzelhandel bei Regina Kaiser in der Buchgalerie im Altstadthof (Altstadthof 36, 95028 Hof).

„Kant“ von Marcus Willaschek

Die Revolution des Denkens


Warum ich das Buch gut finde?

In Zeiten der Zwillingstransformation, also den beiden gleichzeitig stattfindenden Transformationen aus Digitalisierung und Nachhaltigkeit, fehlt es vielen Menschen an Orientierung. Wenn dann noch beängstigende kurz- bis mittelfristige Ereignisse wie Krisen oder Konflikte hinzukommen, kann dies dazu führen, dass Widerstände gegen Veränderungen zunehmen, während gleichzeitig der Wunsch nach stabilen Rahmenbedingungen und unterstützenden Strukturen wächst.

Auch wenn Kant die heutigen Herausforderungen fremd waren, kann er uns dennoch helfen, Orientierung wiederzuerlangen. Seine Gedanken zur Demokratie und Frieden, seine ethischen und rechtlichen Grundideen sowie seine Untersuchungen der Grenzen des menschlichen Wissens sind gerade in unserer Zeit von besonderer Bedeutung. Marcus Willaschek greift diese zeitlosen Ideen auf, geht jedoch über eine bloße Heldenverehrung hinaus, indem er auch Kants kritische Seiten, wie z. B. rassistische Äußerungen oder seine herabwürdigenden Urteile über Frauen, beleuchtet.

Dieses Buch begleitet Kants Revolution des Denkens durch 30 eigenständige, leicht verständliche Essays, die sein gesamtes Werk abdecken. Eine Lektüre, welche sich sowohl für Philosophie-Liebhaber als auch -Einsteiger eignet, in dem sie zum einen Wissen vermittelt aber auch immer wieder selbst zum Philosophieren und Nachdenken einlädt.

Und die Lieblingsstelle?

Unserer Maximen sind wir uns in vielen Fällen nicht bewusst, aber sofern wir konsequent sind und uns nicht widersprechen, handeln wir nach ihnen. Die Gesamtheit dieser Regeln macht das aus, was Kant den „Charakter“ eines Menschen nennt. Einen Charakter hat man aber nicht einfach, man muss ihn sich Kant zufolge selbst „verschaffen“. Das tut man, indem man sich die Maximen, nach denen man handelt, bewusst macht, sie prüft und nur diejenigen beibehält, die einer kritischen Überprüfung standhalten. […]Letztlich brauchen wir einen unabhängigen und verlässlichen Maßstab, und der, so Kant, kann nur der kategorische Imperativ sein: Handle nur nach Maximen, die allgemeine Gesetze sein können.

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Anlässlich des 300. Geburtstags von Immanuel Kant führte kaum ein Weg an ihm vorbei, wenn man sich auch nur ansatzweise mit Ethik oder Philosophie beschäftigt. Zu diesem besonderen Ereignis wurde Marcus Willaschek, einer der renommiertesten Kant-Experten unserer Zeit, in die SRF-Sendung „Sternstunde Philosophie“ eingeladen. Dort sprach er nicht nur über die wesentlichen Aspekte von Kants Philosophie, sondern stellte auch sein neu erschienenes Buch vor. Hier ein Link zur Sendung: https://tinyurl.com/245f9doe

Link zu meinem Buch:  https://www.beck-shop.de/willaschek-immanuel-kant/product/35536754   

„Über dem Orinoco scheint der Mond“ von Harald Lesch, Klaus Kamphausen

Lasst uns den Menschen als Teil der Natur neu denken! 

Warum ich das Buch gut finde?

Dieses Buch öffnet die Augen für die oft vergessene Tatsache, dass der Mensch untrennbar mit der Natur verbunden ist. In einer Welt, die von Technologie und Ökonomie dominiert wird, haben wir uns zunehmend von diesen natürlichen Zusammenhängen entfremdet – mit verheerenden Folgen für unsere Umwelt und uns selbst. Lesch und Kamphausen zeigen eindrucksvoll, dass die Rückkehr zu einem harmonischen Miteinander zwischen Mensch und Natur nicht nur notwendig, sondern auch möglich ist. Sie bieten wissenschaftlich fundierte Ansätze, die zeigen, wie wir durch Kooperation, Mitgefühl und ein tieferes Verständnis für die Natur nachhaltige Lösungen für die drängenden Probleme unserer Zeit entwickeln können. Ihre Überlegungen knüpfen an das Denken von Alexander von Humboldt an, dessen ganzheitliche Sicht auf die Welt vor über 200 Jahren den Weg für unser modernes Verständnis von Ökologie ebnete. Dieses Buch lädt dazu ein, die Natur wieder als das zu sehen, was sie ist: unser größter Verbündeter. 

Und die Lieblingsstelle?

Ohne zu viel zu spoilern aber eine der eindrucksvollsten Stellen im Buch beschreibt, wie Alexander von Humboldt bei seiner Reise entlang des Orinoco-Flusses erkennt, dass alles Leben in einem empfindlichen Gleichgewicht steht. Seine Erkenntnis, dass selbst kleinste Eingriffe weitreichende Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem haben können, ist heute aktueller denn je. Lesch und Kamphausen greifen dieses Bild auf und veranschaulichen, dass unser modernes Leben immer noch von diesen komplexen Wechselwirkungen abhängt – nur haben wir es oft vergessen.

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Harald Lesch kennt man als Wissenschaftler, der komplexe Themen spannend und verständlich rüberbringt. Das hat mich neugierig gemacht. Die Idee, wie eng wir Menschen mit der Natur verbunden sind und was wir daraus für unser Leben lernen können, fand ich sofort faszinierend.

Link zu meinem Buch:  https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1062456660 

„Nachts unter der steinernen Brücke“ von Leo Perutz

Warum ich das Buch gut finde?

Das Buch enthält 14 Erzählungen aus der Prager Judenstatt um das Jahr 1600 in nicht chronologischer Reihenfolge. Man versteht beim Lesen aber bald, dass die Geschichten zusammenhängen. Alles dreht sich um die unmögliche Liebe des Kaisers Rudolf II mit einer verheirateten Jüdin. Die Rahmenhandlung ist dabei so geschickt arrangiert – Perutz, ursprünglich Versicherungsmathematiker, hat über 25 Jahre an dem Roman gearbeitet –, dass man erst am Ende alle Zusammenhänge erkennt. Die Geschichten entführen in eine ferne, ungewohnte Welt, behandeln aber zeitlose Themen wie Macht und Herrschaft, alltägliche Sorgen, Eifersucht, Freundschaft, Liebe … . Das alles ist in einer schönen, kunstvollen Sprache, die alle Bücher von Leo Perutz auszeichnet, geschrieben. Übrigens war das Buch, obwohl es von der Kritik sehr gut aufgenommen wurde, bei Erstausgabe 1953 kein großer Erfolg. Die Zeit für einen in der Judenstadt spielenden Roman war wohl für das deutschsprachige Publikum nicht die passende.

Und die Lieblingsstelle?

Die gibt es nicht wirklich. Das Zusammenspiel der Geschichten ist das Besondere des Romans.

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Als Student empfahl mir ein Freund die Bücher von Leo Perutz – weitere Tipps waren „Zwischen 9 und 9“ und „Wohin rollst Du Äpfelchen“. Ich war fasziniert. Im ZEIT Podcast Alles gesagt mit Daniel Kehlmann – seine Bücher „Die Vermessung der Welt“ und „Tyll“ hätte ich hier auch vorschlagen wollen – hörte ich kürzlich, dass er gerade (9/2024) ein Buch über Leo Perutz herausgab, den er sehr verehrt (https://www.zeit.de/kultur/2024-08/daniel-kehlmann-interviewpodcast-alles-gesagt). Ich fragte mich, wie mir das Buch – 40 Jahre nach „Erstlesung“ – noch gefallen würde. Ich war wieder fasziniert … .

Link zu meinem Buch:  https://buchhandlung-kleinschmidt.buchhandlung.de/shop/article/1410856/leo_perutz_nachts_unter_der_steinernen_bruecke.html   

„Beklaute Frauen“ von Leonie Schöler

Denkerinnen, Forscherinnen, Pionierinnen: Die unsichtbaren Heldinnen der Geschichte

Warum ich das Buch gut finde?

Leonie Schölers Buch wirkt augenöffnend, wenn es um die Narrative unserer Geschichtsschreibung und gesellschaftlichen Strukturen geht. Der Mythos von dem erfolgreichen (weißen) Mann, wie er auch gegenwärtig weiterhin dargestellt und in Bildungseinrichtungen gelehrt wird, stellt sich objektiv historisch betrachtet als inkorrekt und damit auch als gegenwärtig realitätsverzerrend heraus. Das Buch schafft über den feministischen Blick hinaus ein Bewusstsein dafür, das die Betrachtung der Menschheitsgeschichte unter einem massiver Wahrnehmungsbias stattfindet.

Ich finde es wichtig und hilfreich, sich der Brille bewusst zu werden durch der man die Welt gezeigt bekommt und dadurch auch in dieser Form wahrnimmt. Neben dieser einen Sichtweise auf die Dinge gibt es noch etliche weitere Betrachtungsweisen, die aber i.d.R. unter den vorherrschenden gesellschaftlichen Mächten verlorengehen.

Und die Lieblingsstelle?

Etliche bekannte Werke aus der Kunst und Literatur, ebenso wie maßgebliche und teils bahnbrechende Forschungsergebnisse aus der Wissenschaft stammen – wie der Titel des Buches bereits vermuten lässt – nicht oder nur in Teilen von den weltberühmten Männern unter deren Namen wir sie kennen. Darunter Karl Marx, Albert Einstein, Berthold Brecht, Pablo Picasso … Inwieweit erfüllt die Historik damit denn den wissenschaftlichen Anspruch auf Objektivität?

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Durch die Empfehlung einer Freundin, die ich gerne weitergeben möchte.

Link zu meinem Buch:  https://www.penguin.de/buecher/leonie-schoeler-beklaute-frauen/buch/9783328603238 

Die Jungbrunnen-Formel von Voelpel, Sven

Wie wir bis ins hohe Alter gesund bleiben

Warum ich das Buch gut finde?

"Die Jungbrunnenformel" von Sven Voelpel ist ein inspirierendes Buch, das sich mit den Themen Gesundheit, Vitalität und Langlebigkeit auseinandersetzt. Hier sind einige Gründe, warum es lesenswert ist:

  1. Wissenschaftlich fundierte Ansätze: Voelpel stützt seine Argumente auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Bereichen Biologie, Medizin und Psychologie.
  2. Praktische Tipps für jeden Tag: Das Buch bietet nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch praktische Ratschläge, die leicht in den Alltag integriert werden können.
  3. Fokussierung auf mentale Gesundheit: Voelpel betont die Bedeutung der mentalen Fitness für ein langes und erfülltes Leben.
  4. Ermutigung zur Selbstreflexion: Das Buch regt dazu an, eigene Lebensgewohnheiten zu hinterfragen und bewusster zu leben.
  5. Vision eines gesunden Alterns: Anstatt das Altern als negativen Prozess zu betrachten, vermittelt das Buch eine positive Sichtweise, die das Altern als eine Chance für Wachstum und Entwicklung sieht.

Insgesamt ist "Die Jungbrunnenformel" eine wertvolle Lektüre für alle, die ihre Lebensqualität verbessern und ein gesundes, erfülltes Leben führen möchten.

Und die Lieblingsstelle?

Das Zusammenspiel von gesunder Lebensweise, Ernährung, Bewegung und mentaler Gesundheit beeinflusst, wie wir altern werden. Die Jungbrunnenformel ist individuell anpassbar an die persönliche Konstitution und Veranlagung. Mit dem Hintergrundwissen können neue tägliche Routinen und Verhaltensweisen entwickelt werden, die Schritt für Schritt ergänzt werden.

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Der Jungbrunnen Alterstest von Prof. Dr. Sven Voelpel hat mich neugierig gemacht. In dem Test geht es um die Frage: „Wie alt sind Sie wirklich und wieviel Jahre können Sie gewinnen“. (Alterstest) Das Thema fand ich sehr spannend und wurde dadurch auf sein Buch aufmerksam.

Link zum Buch: Die Jungbrunnen-Formel: Wie wir bis ins hohe Alter gesund bleiben : Voelpel, Sven, González y Fandiño, Ana: Amazon.de: Bücher

 

„Fooled by Randomness“ von Nassim Nicholas Taleb

THE HIDDEN ROLE OF CHANCE IN LIFE AND IN THE MARKETS

Warum ich das Buch gut finde?

Der Autor beschreibt seine Sicht auf die Welt als Händler und Risikomanager an der Wall Street. Dabei erzählt er von seinen Erlebnissen und statistischen Anomalien, die ihn geprägt haben. Ich fand die gesamte Incerto Buchreihe des Autors unterhaltsam und empfehle dieses Buch als Einstieg. Meiner Meinung nach liest sich dieses Buch besser in Originalsprache, habe diese jedoch nicht überprüft.

Und die Lieblingsstelle?

Das Konzept von Wittgensteins Lineal. Messe ich mit einem Lineal den Tisch oder der Tisch das Lineal?

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

The Black Swan des gleichen Autors wurde mir von einem Kollegen vor Jahren mal empfohlen. Deshalb wollte ich es nicht gleich lesen, sondern setzte es erstmal auf meine Antibibliothek. In einem Börsenforum wurde die ganze Incerto Buchreihe empfohlen. Als ich dann bei einer Radwanderung in einer Buchhandlung in Mailand vor den Büchern des Autors stand, wählte ich zufällig Antifragile aus und war begeistert.

Links zu dem von mir empfohlenen Buch: https://www.penguinrandomhouse.com/books/176225/fooled-by-randomness-by-nassim-nicholas-taleb/

„What If?“ von Randall Munroe

Serious Scientific Answers to Absurd Hypothetical Questions

Warum ich das Buch gut finde?

Randall Munroe ist für viele Leute ein gängiger Begriff. Bekannt ist aber eher sein Webcomic „XKCD“, bei dem er jeden zweiten Tag eine Karikatur rund um aktuelle Themen, aber vor allem auch oft der Wissenschaft, veröffentlicht.

Das ist keine Überraschung: Bevor er Comicautor wurde hatte der Autor als Robotiker mit Physik-Abschluss bei NASA gearbeitet. Deswegen hat er nicht nur Erfahrung in der Welt der Forschung, sondern eben auch ein breites Spektrum an Kontakten in die ganze Welt der Wissenschaften.

Eben diese Kontakte nutzt er nun in seinem Buch „What If?“, um absurde hypothetische Fragen mit State-of-the-Art Wissen zu beantworten. Seine Mischung aus Humor, Fachkompetenz sowie einer gesunden Prise Ironie machen das Buch eine super Lektüre für die Badewanne.

Und die Lieblingsstelle?

Eine recht lustige Frage im Buch widmet sich der Idee, dass alle Menschen der Erde gleichzeitig einen Laserpointer auf den Mond richten. Anstatt die Frage relativ enttäuschend mit „Es passiert nicht viel!“ zu beantworten, fragt sich der Autor wiederholt „Was, wenn wir mehr Power reinstecken?“, bis endlich etwas passiert. Am Höhepunkt wird jeder Mensch mit einem 500-Terawatt N.I.F-Laser ausgerüstet (der stärkste Laser der Welt), und siehe da: Wir haben den Mond gesprengt!

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Den ersten Teil (mittlerweile wurde die Reihe weitergeführt) habe ich tatsächlich in der 10. Klasse gefunden. Ich fand es lustig auf dem Cover eines wissenschaftlichen Buches Strichmännchen zu sehen und hatte dann prompt im Geschäft eines der Kapitel gelesen. Das geht gut, die Kapitel sind jeweils nicht lange und widmen sich immer einer der Fragen. Manche kann man schnell beantworten, manche brauchen länger. Egal wie ist die Antwort immer spannend und oft auch unerwartet.

Link zu meinem Buch:

www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1057820151

„Werte. Ein Kompass für die Zukunft“ von Dr. Maja Göpel

Warum ich das Buch gut finde?

An diesem Buch beeindruckt mich besonders die Fähigkeit von Dr. Maja Göpel, komplexe Strukturen in einer zugänglichen und reflektierten Sprache zu erklären, ohne dabei belehrend zu sein. In einer zunehmend polarisierten Welt zeigt sie Wege auf, für einen respektvollen und menschlichen Dialog, welcher frei von Polemik und gesellschaftlicher Spaltung ist. Gerade angesichts struktureller Krisen, die durch rückwärtsgewandte Denkmuster weiter verschärft werden, plädiert sie für Selbstwirksamkeit und dem kollektiven Mut zur Veränderung. Menschlichkeit wird dabei zum Schlüssel. Zudem zeigt sie, wie schon kleine sprachliche Veränderungen im Umgang miteinander Motivation zu gesellschaftlichem Wandel wecken und eine neue, klimapositive Normalität ermöglichen können.

Und die Lieblingsstelle?

„Es lohnt sich zu jeder Zeit, aber in Umbruchszeiten umso mehr, um eine Grundmelodie des Aushandelns zu kämpfen, in der ein Nachgeben nicht mit Verlieren gleichgesetzt wird, in dem große Ziele nicht gleich Argwohn und Neid erwecken, in der das Loslassen als Beitrag zum Innovieren gelten darf und in dem Respekt vor dem Gegenüber nicht davon abhängt, ob diese Person mir gerade nützlich oder gefährlich vorkommt.

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Da mir bereits das letztes Buch der Autorin so zugesagt hat, war für mich nach Bekanntgabe einer weiteren Veröffentlichung auf ihren Kanälen klar, dass ich auch dieses unbedingt lesen musste, insbesondere weil das Thema gesellschaftlich hochrelevant ist und mich inhaltlich sehr beschäftigt.

Link zu meinem Buch: https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1071310963

„Wot Se Fack, Deutschland?: Warum unsere Gefühle den Verstand verloren haben“ von Vince Ebert

Warum ich das Buch gut finde?
Nach meiner letzten Lektüre, Hans Roslings optimistischem Factfulness, bietet Vince Ebert eine provokante, aber kluge Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld zwischen naturwissenschaftlichem Denken und ideologischer Bevormundung. Was mich überzeugt, ist seine klare Haltung zugunsten der Aufklärung: Wer fragen darf, gewinnt Erkenntnis. Ebert warnt vor Denkverboten, die – oft aus gut gemeinten Motiven – kritische Debatten ersticken. Seine Beispiele zeigen erschreckend deutlich, wie oft heute nicht mehr argumentiert, sondern diffamiert wird. Ein wichtiges Plädoyer für Vernunft und Redefreiheit.

Und die Lieblingsstelle?
„Ein Mann, der sich als Frau fühlt, kann mich bitten, ihn als Frau anzusprechen. Sobald er aber von mir verlangt, dass ich selbst glauben muss, es handele sich bei ihm tatsächlich um eine Frau, wird er übergriffig.“ Dieses Zitat trifft den Kern: Respekt ja, aber kein Zwang, etwas zu glauben. 

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Nach 30 Jahren Süddeutscher Zeitung lese ich seit diesem Jahr zusätzlich die Welt am Sonntag, um meine mediale Filterblase zu durchbrechen. Gleichzeitig erreichen mich durch Podcasts und YouTube vermehrt „woke-kritische“ Gedanken – nicht als Hetze, sondern als sachliche Einwände. Genau hier setzt Ebert an: Er benennt, wie oft Debatten nicht mehr um Fakten, sondern um Tabus kreisen. Das Buch kam zur rechten Zeit.

Link zu meinem Buch:  https://www.dtv.de/buch/wot-se-fack-deutschland-26416

„Waffensysteme des 21. Jahrhunderts oder The Upside Down Evolution“ von Stanislaw Lem

Warum ich das Buch gut finde?
Aus meiner heutigen Sicht ist Stanislaw Lems vor über 40 Jahren erschienenes Büchlein „Waffensysteme des 21. Jahrhunderts" eine erstaunlich treffsichere Analyse aktueller militärtechnologischer Entwicklungen.  Wer heute Nachrichten über Drohneneinsätze in der Ukraine liest, wird das Gefühl nicht los, Lem habe heimlich Militärdossiers der 2020er Jahre studiert. Die technische Basis des Buches entspricht zwar nicht exakt dem, was wir im aktuellen Drohnenkrieg beobachten. Aber die Konsequenzen autonomer Miniaturwaffen in Schwärmen trifft er mit erschreckender Präzision. Skeptisch bleibe ich hingegen bei den politischen Analysen am Ende des Buches – diese lesen sich interessant, wirken aber weniger realistisch als die technischen Überlegungen. Aber vielleicht kommt das auch noch, wenn die Waffen autonomer werden…

Und die Lieblingsstelle?
„Je billiger eine Waffe wird, desto häufiger wird sie eingesetzt. Je teurer, desto seltener – bis sie nur noch ausgestellt wird." Dieses Zitat trifft den Kern: Lem erkennt früh, dass die Ökonomie der Rüstung ihre eigene Logik entwickelt. Die Ironie dabei: Was als Effizienzgewinn beginnt, endet oft in neuen Verwundbarkeiten.

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Nach meiner ersten Lektüre vor rund dreißig Jahren, die ich mit einem Schmunzeln abschloss, erinnerte ich mich angesichts des Drohnenkriegs in der Ukraine an das Werk. Ich habe mir eine antiquarische Ausgabe bestellt, sie entstaubt und mit jener Mischung aus Neugier und Unbehagen gelesen, die nur Werke hervorrufen können, die ihre eigene Zeit überdauert haben – um unsere Gegenwart einzuholen. Damals erschien mir das Buch als geistreiche Satire. Heute lese ich es fast schaudernd. Ein Buch, das man besser zweimal liest. Einmal zum Lachen. Einmal zum Nachdenken. Und es ist dünn genug, um es in einer Badewannensitzung abzuschließen.

Link zu meinem Buch:  https://www.amazon.de/Waffensysteme-Jahrhunderts-oder-verkehrte-Evolution/dp/3518374982

„Klima-Bullshit-Bingo“ von Jan Hegenberg

Klimaschutz zerstört die Wirtschaft! … und andere Stammtischparolen widerlegt

Warum ich das Buch gut finde?

Jan Hegenberg ist leidenschaftlicher Klimaschützer und dies spiegelt sich auch in seinen Texten wider. Hierbei gelingt es ihm die Probleme und zugehörigen Lösungen so zu transportieren, dass diese für jedermann verständlich sind. Gewürzt wird das Ganze mit einer guten Prise Humor und einem erfrischend optimistischen Blickwinkel auf die größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte.

Als besonderen Service bietet jedes Kapitel einen QR-Code, welcher den Leser mit einer kompakten Zusammenfassung und den wichtigsten Daten gegen den zugehörigen „Bullshit“ versorgt, sodass diese bequem in Online-Diskussion oder Familien-Chat geteilt werden können, falls die nächste Bingo-Runde läuft.

Und die Lieblingsstelle?

Der oft wiederholten, aber nicht belegten Aussage „wenn alle E-Autos gleichzeitig laden würden, würde das Stromnetz zusammenbrechen…“ stellt der Autor eine Berechnung gegenüber, welche Warteschlangen sich an deutschen Tankstellen ergeben, würden alle Verbrenner-PKW gleichzeitig tanken fahren. Gefolgt von der rhetorischen Frage wie oft diese Situation wohl schon aufgetreten ist…

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Ich folge dem Autor Jan Hegenberg und seinem Blog „Der Graslutscher“ seit geraumer Zeit, da seine Artikel gut recherchiert sind und die Inhalte verständlich vermittelt werden. Mit seinem ersten Buch „Weltuntergang fällt aus“ hat er dies ebenfalls bewiesen und auch sein zweites Werk steht dem in nichts nach.

Link zu meinem Buch: Klima-Bullshit-Bingo – Jan Hegenberg entlarvt Scheinargumente – scholo Verlag

„Dungeon Crawler Carl“ von Matt Dinniman

The Apocalypse will be televised

Warum ich das Buch gut finde?

Wer jemals Rollenspiele (ganz gleich, ob an PC oder Konsole oder einfach Pen/Paper) gespielt hat, wird die (inzwischen 8, geplant 10) Bücher der “Dungeon Crawler Carl” Reihe lieben. Man bekommt den Eindruck, der Autor habe sein bisheriges Leben mit genau dieser Tätigkeit verbracht. Die Geschichte ist verrückt, brutal, lustig und insgesamt einfach liebenswert.

Aber nicht nur das, die Parallelen zu unserer Realität (Kommerzialisierung an allen Enden, die Macht der Viewer-Community und planetaren Großkonzerne, der Hype um Reality-Shows, in denen es keine Tabus gibt) sind mehr als erahnbar, sie tragen die Story, in der das Heldenpaar, Carl und Prinzessin Donut, ein eigenes Ziel verfolgen: Zerstörung des gesamten Systems.

Empfehlung: Die Hörbuchversion (audible exclusive), gesprochen von Jeff Hayes (einfach gigantisch) lohnt sich.

Und die Lieblingsstelle?

Die Reihe umfasst aktuell 8 Bücher, jedes bietet einige potenzielle “Lieblingsstellen”. Schon der Anfang, der die Titelfigur in Unterhosen und Lederjacke in das Labyrinth befördert - und nur, weil er die Katze seiner EX retten wollte, amüsiert mich jedes Mal wieder.

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Mein Sohn hat mich darauf gebracht, nachdem ich ihn von Liu Cixins “Trisolaris” Trilogie begeistert hatte.

Link zu meinem Buch: https://amzn.eu/d/05O3YJGh

„Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus“ von Rainer Mühlhoff

Warum ich das Buch gut finde?

Rainer Mühlhoff beschreibt in seinem Buch GenAI im gesellschaftlichen und ideologischen Umfeld, insbesondere im Silicon Valley und der Trump-Regierung. Es geht um das bereits genutzte Potential von KI für Überwachung, Manipulation und Verhaltenssteuerung von Individuen und ganzen Gesellschaften.

Man liest, welche kleinen und konzentrierten Netzwerke hinter den amerikanischen KI-Konzernen stehen und welche Philosophien Tech-Milliardäre und Investoren vertreten. Es geht um die Hype Cycles um KI seit den 60ern. Die Argumente, die KI pushen, wie z.B. dass jeder, der nicht in KI investiert, garantiert abgehängt wird, werden kritisch betrachtet und es gibt ein Plädoyer für einen demokratischeren Umgang mit KI-Modellen, die ich in meinen Worten mit „Mut zu mehr Dezentralität“ zusammenfassen würde.

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Ich beschäftige mich in einem meiner Projekte mit KI-Skills für Wissensarbeiter:innen, deswegen fiel mir das Buch ins Auge. Mir fiel das gerne hitzig diskutierte Wort „Faschismus“ im Titel auf, und ich finde, dass der Autor das Feld für sich zwar breit, aber überzeugend absteckt. Für die Einordnung von Strömungen und Handlungen als „faschistoid“ nutzt er drei Merkmale in Anlehnung an Umberto Eco: Antidemokratisches Wirken, Bereitschaft zu Gewalt und Grausamkeit und Technologie als Machtinstrument. Das sind Phänomene, die wir auch heute weltweit beobachten können.

Deine Lieblingsstelle?

Zur ethischen Frage beim Bürokratieabbau durch KI nimmt Mühlhoff als Beispiel Sachbearbeiter*innen, die über Bürgergeld-Kürzungen entscheiden. Die heutige Einzelfallprüfung sei „aufwendig und schlecht skalierbar, aber transparent“ (S. 41). Eine KI dagegen gleiche einer Abteilung, die auf der Basis von viel Erfahrungswissen aus früheren Entscheidungen und Klagen „aus dem Bauch heraus“ (S. 42) entscheidet. Wer ein Sonderfall ist oder nicht klagen kann, wird übersehen.

Der Gedanke, dass die liberale „Take it (also: mein Produkt) or leave it“-Haltung und die Praxis, als großes Tech-Unternehmen wissenschaftliche Publikationen zu schreiben, veröffentlichen und sich dabei aber das peer reviewing zu sparen, bewusst dieDiskussion mit der Gesellschaft umgehen: Du hast Kritik zu meinem Produkt? Oder meiner Veröffentlichung? Ist mir egal.

Link zum Buch: https://www.reclam.de/produktdetail/kuenstliche-intelligenz-und-der-neue-faschismus-9783150147894

Disclaimer: Die in der Reihe der #badewannenlektuere“ vorgestellten Bücher sind private Empfehlungen und Meinungen von Mitgliedern der Hochschule Hof. Als Hochschule erhalten wir für die Nennung der Titel keinerlei Gegenleistung und haben auch keinerlei besonderen Bezüge zu Autor:innen oder Verlagen. Eine Ausnahme bilden Bücher, die unsere Wissenschaftler:innen selbst verfasst haben.